2012-Kabarett

Wirtschafts- und Finanzkrise als Zielscheibe des Kabaretts

Langanhaltender Applaus war der Dank des Publikums zur Kabarettveranstaltung „Theorie der feinen Menschen“ mit Claus von Wagner. Der mehrfach mit Preisen ausgezeichnete Kabarettist begeisterte die Zuhörer mit einer satirisch-pointierten aber feinnervig-komödiantischen Analyse unseres Zeitgeschehens.

Claus von Wagner

Als Person Klaus Neumann war er festgehalten in den Tresorkellern einer Bank und konnte in aller Ruhe deren Geschäftsgebaren unter die Lupe nehmen. Die aktuelle Wirtschafts- und Finanzkrise gab genügend Anlass für kritische Äußerungen. So sah er die Kleinsparer als das „Plankton im Meer der Finanzhaie“ und die Finanzwelt als ein „Puzzle mit 5.000 Teilen, das blauen Himmel zeigt“. Die vollkommen undurchsichtigen Finanzderivate, die Pferdewetten ähneln, seien kennzeichnend dafür, dass man den Begriff „Wirtschaftsethik“ in zwei Worte aufspalten müsse. Des Weiteren nahm er wortgewandt die Wachstumsfetischisten beim Bruttoinlandsprodukt, das Börsengeschehen mit seiner „stagnierenden Seitwärtsbewegung“, die gigantische Geldmenge ohne realen Hintergrund und die Macht der Ratingagenturen aufs Korn. Dabei zeigte er in brillanter aber nie verletzender Weise Querverbindungen zum politischen Geschehen auf, insbesondere symbolisiert durch Politiker(innen) wie „Mutti“ Angela Merkel, Norbert Röttgen, Philipp Rösler oder den Bankboss Josef Ackermann. Aber auch die Frauenquote in den DAX-Vorständen, die arbeitnehmerfeindlichen Praktiken in gewissen Discountläden blieben nicht ohne seinen treffenden Kommentar. Rundum: Sein Vortrag war ein Querschnitt zu den aktuellen gesellschaftlichen Themen unserer Zeit – kommentiert durch den fiktiven Gutmenschen Klaus Neumann.

In seinen Abschlussworten sprach Klaus Leibenath als Vorsitzender der veranstaltenden Sozialdemokratischen Bildungsinitiative Gau-Algesheim den Besuchern aus der Seele, als er den schon zum zweiten Mal in Gau-Algesheim gastierenden Claus von Wagner als fachlich kompetent und menschlich sympathisch bezeichnete. Sein Dank galt allen Mithelfer(inne)n für diese Kabarettgala, nicht ohne auf die nächste Veranstaltung mit den HengstmannBrüdern am 3. November an gleicher Stelle hinzuweisen, mit der das seit Jahren beliebte Kabarettprogramm der SBi seine Fortsetzung finde.

Günter Frey – Schriftführer

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